Stapelweise
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Thema: Klara Bünzli-Hässig

Modekrankheit


Nun stellen Sie mal vor, eben hat mir die Frau Stapelweise erzählt, dass auch der Jüngste dieses ADS haben soll und dass sie ihm jetzt auch Medikamente geben wollen.

Also unter uns, das ist ja wirklich die Höhe! Da gehen die heutzutage hin, lassen die Kinder alles machen von wegen "freie Entfaltung", die haben ja den ganzen technischen Kram daheim,  die Kinder sind manchmal um acht noch nicht im Bett und die Frau Stapelweise erzählt mir dann so verdrehtes Zeug von irgendwelchen Erziehungsbüchern, wo man sich mit den Kindern gemeinsam an den Tisch setzen soll, um Familienregeln aufzustellen.
Also ich halt davon ja gar nichts!
Früher, da hatten die Kinder einfach zu folgen und solche Bengels wie der Jüngste von ihr, der hätte dann einfach mal eins hintendrauf gebraucht. Die haben dann schon irgendwann gespurt. Was glauben Sie, wie ich meinen Sohn zum Anwalt gemacht habe? Der wollte ja doch tatsächlich viel lieber Schreiner werden - stellen Sie sich das mal vor! Hätte ich mich vorstellen sollen "ich, Klara Bünzli, Mutter vom Schreiner"? Nix da, Zucht und Ordnung, das hat geherrscht bei uns - und das würde bei denen auch helfen. Aber wenn ich was sage, dann ist sie ganz empört und faselt was von "Recht auf gewaltfreie Erziehung" - davon habe ich ja noch nie was gehört, dass es das Recht geben soll, und glauben Sie mir, ich habe Ahnung, mein Sohn ist ja schliesslich Anwalt.

ADS - pah, das ist doch einfach nur fehlende Erziehung, oder? Und dann will sie ihm auch noch Medikamente geben - ich sage Ihnen, das sind Drogen, das habe ich gelesen in meinem Wochenblatt, aus dem wird mal noch ein Amokläufer. Die kann mir erzählen, was sie will, die ist nur zu faul, um mal richtig durchzugreifen!
Ich war mir da halt nie zu gut dafür, was glauben Sie, wie oft mein Fritzli abends dann dem Hansruedi die Leviten lesen musste? Er fand das zwar dann schon übertrieben, aber der war ja auch den ganzen Tag weg, die ganze Arbeit mit dem Kind habe ja ich gemacht. Männer verstehen das einfach nicht. Der Herr Stapelweise, der ist ja so ein komischer - der kümmert sich freiwillig um die Kinder und spielt mit ihnen - das soll nun modern sein. Wahrscheinlich muss er, weil die Frau Stapelweise mal wieder vor dem Computer sitzt. Die hat im Fall die Hosen an bei denen und nutzt ihn total aus, statt sich um die Kinder zu kümmern. Gut, wenigstens ist sie nicht auch noch berufstätig, wenigstens das.

Also, glauben Sie mir : ADS ist nur so eine Modekrankheit, das haben Mütter wie die Frau Stapelweise erfunden, um eine Entschuldigung zu haben. Dass das beim grossen Stapelweise-Sohn funktioniert hat, das war ganz einfach Glück.

Früher hätte es das also nicht gegeben.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, ich werde nun meine Fenster putzen gehen, die sind seit letzter Woche schon wieder so dreckig geworden.


Jac 01.03.2011, 15.14 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ja nun also...

Ich bin ja überhaupt nicht für dieses komische neumodische Zeugs zu haben, aber meine Nachbarin, die Frau Stapelweise, hat mich dazu überredet, als ich ihr das letzte Mal ins Gewissen geredet habe, weil sie ihre Fenstersimse nicht jede Woche reinigt so wie ich. Sie hat gemeint, ich soll mich dann erst mal vorstellen. Also, ich find das ja etwas übertrieben, wir sind ja hier nicht in der Schule, oder? Aber ich muss wohl nachgeben, sonst wischt sie ihren Vorplatz wieder nicht und der Dreck wird auf unsere Einfahrt gewindet.

Also, ich bin Frau Bünzli, geborene Hässig, ich bin alt genug, um die Mutter der Frau Stapelweise zu sein (übers Alter spricht eine Frau ja nicht, oder?). Ich bin mit dem Fritzli Bünzli verheiratet, der schafft als Postautochauffeur, bis er dann in ein paar Jahren pensioniert wird. Ich habe einen Sohn, den Hans-Ruedi, aus dem ist zum Glück was besseres geworden, der ist jetzt Doktor Rechtsanwalt und hat einen ganz, ganz wichtigen Posten inne und verdient richtig viel. Ich will mich ja nicht selber loben, aber wenn ich nicht gewesen wäre, hätte er es nie soweit gebracht!
Wir wohnen eben neben der Familie Stapelweise, und mit der habe ich öfters so meine Probleme, ich kann gar nicht verstehen, wie man derart ignorant sein kann, was sich gehört. Diese jungen Frauen von heute, die versteh ich einfach nicht.

Ach, das reicht, Sie werden mich schon kennenlernen, man muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, oder?

Ausserdem ist heute Sonntag, und da soll man ruhen und nichtstun - die Frau Stapelweise hält sich ja wieder nicht dran, ich weiss, dass die immer sonntags die Waschmaschine laufen lässt - pah, Niedertarif, das gehört sich nicht. Die würde besser in die Kirche gehen, das würde sich gehören. Aber heutzutage geht ja keiner mehr, ich habe heute morgen extra aus dem Fenster geschaut - es ist keiner aus der Strasse zur Gottesdienstzeit weggefahren. Bei uns ist das ja was anderes, wir konnten heute wirklich nicht, wissen Sie, der Hansruedi kam mit seiner neuen Freundin zum Sonntagsbraten, das geht ja nun mal vor, oder? Aber die anderen hätten schon gehen können, aber da liegen sie sonntags bis weiss nicht wann im Bett und es gibt noch nicht mal Mittagessen. Brunch, so ein neumodischer Schmarren! Das hätte es früher nicht gegeben!

Geniessen Sie den restlichen Sonntag, ich werde gerufen, der Sonntagskaffee steht auf dem Tisch - mit Tischdecke natürlich, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Ihre Klara Bünzli-Hässig

Jac 27.02.2011, 15.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL