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Ausstrahlung

 

Ich frage mich verzweifelt, warum ich so ganz anders wirke als ich fühle.
Ich frage mich, was ich denn ausstrahle, dass Menschen glauben, ich brauche keinen, ich wolle keinen und sie würden mich nerven /stören, wenn sie nachfragen.

Ich frage mich wirklich, was ich denn falsch mache, dass das, was ich fühle und das, was bei anderen ankommt, so weit auseinanderklaffen.

Wo ist der Knackpunkt, was läuft schief?

Ich weiss es wirklich nicht :-(

 

Jac 16.01.2005, 13.11 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sinniertes

Die Stärke-Falle

 

Das Leben hat mich gestählt, hat mir gezeigt, wieviel ich aushalten kann. Ich bin leistungsfähig, effizient, organisiert und einiges mehr. Meine Persönlichkeit birgt viel Stärke in sich, teils aus Veranlagung, teils aus Erfahrung - und nicht selten überrolle ich die Menschen damit, obwohl das nicht in meiner Absicht liegt.

Doch gleichzeitig bin ich auch empfindsam, verletzlich, unsicher, leise und bekomme immer mal wieder "vorgeworfen", dass ich das zu wenig zeige, dass ich mich hinter meiner Stärke verstecke und meine schwache Seite nicht zeige.

Doch - so einfach ist das nicht, manche Dinge liegen im Auge des Betrachters...
Wer mir nahe ist, der kann sehen, dass das zwei Seiten des gleichen Menschen sind, dass ich mich nicht stark gebe, weil ich die Schwäche nicht zeigen kann - sondern dass ich durchaus das eine und das andere gleichzeitig sein kann.
Aber es ist auch eine Form der Distanz-Wahrung, den starken Teil in mir zu sehen, um sich so sagen zu können, dass ich doch alles packe. Sich auf die Nähe einzulassen würde auch bedeuten, sich mit meiner Komplexität auseinandersetzen zu müssen, die Vielschichtigkeit anzunehmen. Das ist aber gleichzeitig eine Bedrohung fürs eigene Weltbild - stark ist stark und schwach ist schwach, wo kämen wir hin, wenn sich das vermischt.

Und so wird mir in den Momenten, wo ich meine verletzliche Seite auslebe, vorgehalten, wie ich auf andere Menschen wirke - so stark, so selbstbestimmt und selber schuld, wenn ich die Menschen nicht an mich heranlasse.

Tja, wenn es so einfach wäre....
Es liegt nicht in meiner Verantwortung, wie ich auf die Menschen wirke, das ist etwas, was ich nicht ändern kann, ohne mir selber untreu zu werden - und das werde ich ganz bestimmt nicht mehr tun, damit habe ich mich lange genug unglücklich gemacht.
Ich kann mir nicht die Stärke versagen, um in der Schwäche glaubhaft zu sein.
Wenn ich aber die Kraft auslebe, die in mir steckt, dann halte ich meine Umwelt auf Abstand, weil sich keiner traut (?), mich zu packen, mir nahezukommen.

Es ist einfach, wie es ist. Ich bin, wie ich bin.

Und was ich hier schreibe, hilft mir dabei, mich zu erkennen und ist weder als Vorwurf noch als Aufforderung zu verstehen, und schon gar nicht als Wehklagen - wenn ich Aufmerksamkeit suchte, wüsste ich ein paar deutlich effizientere Themen...

Die Tatsache, dass nach meinem gestrigen Eintrag, meine Mailbox plötzlich voller wurde, zaubert mir vor allem ein paar Fragezeichen auf die Stirn - wie wenn ich von einem Kind ein Danke bekomme, nachdem es von seiner Mutter mehrere Mal lautstark dazu aufgefordert wurde....

 

Jac 16.01.2005, 11.08 | (7/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sinniertes

Weiter im Text ...

 

Manchmal schweigt man, weil man nichts zu sagen hat.
Manchmal schweigt man, weil man zuviel zu sagen hat.


 

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich manche Dinge von mir wegschieben, nicht darüber nachdenken und mich durch Ablenkungsmanöver davon abhalten, mich damit auseinanderzusetzen. Das funktioniert im normalen Alltag ausserordentlich gut, in Belastungssituationen weniger und in einer Krise plötzlich nicht mehr.

Da wird dann eine kleinere Krise plötzlich zu einer grossen persönlichen Krise, weil ich die Dinge nicht mehr wegschieben kann, über die ich doch gar nicht nachdenken möchte. Plötzlich dreht sich das Gedankenkarussell wie verrückt, und alles, was ich über Monate hinweg fein säuberlich aufgestapelt und angehäuft habe, kommt ins Rutschen und platscht mir vor die Füsse - unsortiert und durcheinander und füllt meinen Kopf mit so vielen Denkfetzen, Bruckstücken und Gedankengängen, dass ich nicht mehr in der Lage bin, auch nur einen davon zu formulieren. Ziehe ich an einem Gedanken, dann kommen tausend andere hinterher und verunmöglichen es, irgendetwas davon in Worte zu fassen.

Dieser Punkt war am letzten Wochenende erreicht. Nach einer Woche mit viel Schlaf, wenig Internet und viel Nachdenk-Arbeit habe ich jetzt wenigstens grob meine Gedanken wieder auf Haufen aussortiert - und nun liegt da ein neuer Stapel, den ich bisher noch nicht gesehen habe, und schreit mich an "Tu was mit mir!".

In diesem Stapel finden sich vor allem : Einsamkeit.
Etwas, was ich bisher nicht aussprechen wollte und konnte, weil ich Angst davor hatte, dass dann mein Lebenskonstrukt ins Rutschen kommt, mein Selbstwertgefühl sich mal wieder dem Nullpunkt nähert und mich dazu bringt, Dinge zu tun, um irgendwie irgendwo dabei zu sein, dazuzugehören.

Nicht erst seit gestern ist mir klar, dass manche Bekanntschaften Einbahngeleise sind, dass für andere da zu sein nicht gleichbedeutend ist damit, auch etwas zurückzubekommen, dass viele Aussagen, die ich ernst genommen habe, weil ich solche Aussagen auch selber nur im Ernst ausspreche, nicht viel mehr als heisse Luft sind...
Aber das zu wissen mit dem Kopf - und zu verstehen mit dem Herzen, das ist ein weiter Schritt, und den habe ich nun getan. Ich habe schmerzlich festgestellt, dass es mir in der bewussten Einsamkeit doch immer noch besser geht als in dieser vergeblichen Hoffnung, etwas zurückzubekommen. Im sehnlichen Wunsch, dass mal jemand einfach so nachfragt, wie es mir denn so geht.
Ich habe längst gelehrt, meine Probleme selber anzupacken, mich durchzukämpfen, mich nur auf mich selber zu verlassen und mir möglichst keine Hoffnung zu machen - aber die letzten Jahre haben mich dazu verleitet, mir mehr zu erwarten, mir mehr zu erhoffen - und mir selber vorzumachen, dass sich Geben und Nehmen die Waage halten.

Mein Leben lässt mir wenig Raum für Kontakte, gleichzeitig bin ich weder der Party-Typ noch fällt es mir leicht, ein oberflächliches Geplänkel anzufangen oder auf andere Menschen zuzugehen - und nun werde ich einfach danach leben.
Lieber freiwillig allein als unfreiwillig einsam.

Ich werde es lernen.
Irgendwann.
Vielleicht.

Aber es werden bestimmt noch viele traurige Momente damit einhergehen....
Doch nun kann ich hier in Worte fassen, es mir selber unwiderruflich damit eingestehen, dass ich es öffentlich formuliere und mir so auch den Rückweg verbauen, mich selber wieder in unerfüllbare Hoffnungen zu flüchten....



 

Jac 15.01.2005, 19.07 | (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Stapeleien