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Zwischenbilanz


Knapp 48 Stunden sind vergangen seit meinem letzten Eintrag, den ich gefühlt tausend Mal am liebsten wieder gelöscht hätte, was aber Feed-Reader- begründet eh nur Flickwerk gewesen wäre, und was auch gar nichts an der Lage an sich geändert hätte.
Ich habe es stehen gelassen, und das war auch gut so.

In diesen 48 Stunden habe ich viele Rückmeldungen auf verschiedenen Wegen bekommen, die mich alle berührt und weitergebracht haben, die mir Mut gemacht und Trost geboten haben. (auf die ich bestimmt noch reagieren werde, aber nicht mehr heute abend)
In diesen 48 Stunden habe ich mit meinem Alter ego, meinem Mann zu nachtschlafener Stunde statt ins Bett zu gehen über unser Leben geredet, wie es ist, wie wir es gern hätten und wie es uns damit geht. Ohne Vorwürfe, ohne Schuldzuweisungen, ohne verletzte Gefühle, einfach so, wie wir eigentlich miteinander reden können, wenn der emotionelle Topf nicht grad am Überkochen ist.
In diesen 48 Stunden ist mir klar geworden, dass ich aus falsch verstandenem Stolz oder vielleicht aus Hemmungen damit aufgehört habe, die Dinge zu bloggen, die mir unfertig, chaotisch, verwirrend, unsortiert im Kopf herum gehen. Ich habe sie stapelweise zur Seite gelegt und mich immer wieder gewundert, wenn sie dann plötzlich, aus scheinbar nichtigem Anlass ins Rutschen kamen und mit welcher Wucht sie mich dann überrollt haben.

Nun ist Schluss damit.
Aus.
Es ist an der Zeit, dass ich wieder ehrlicher mit mir selber werde, mir nicht mehr alles schönrede, alles mit mir selber ausmache - und da führt bei mir der Weg über diese Öffentlichkeit, die mir dieser Blog gibt - man kann so schlecht etwas negieren, dass man öffentlich eingestanden hat.

Darum jetzt eine Zwischenbilanz:
Ich bin seit über 13 Jahren Mutter und Hausfrau, und meistens mag ich diesen Job. Mein Mann ist selbständig, und mit mehr Arbeit eingedeckt, als er haben möchte und als er eigentlich schaffen kann, was bedeutet, dass unsere klare Arbeitsteilung - er Firma, ich daheim, immer öfter bedeutet, dass ich "den Laden alleine schmeissen muss" und auch wenig rauskomme, da ich hier 3 Kinder habe, die mich brauchen. Wir haben uns bei unserer Heirat, als sich das erste Kind angekündigt hat, fürs klassische Rollenmodell entschieden, nicht, weil man das so macht, sondern weil es einfach unterm Strich die beste Lösung war. Ich konnte mir aber damals so vieles nicht vorstellen, vor allem nicht, dass ich an einen Punkt kommen könnte, wo ich mich vor der Wahl sehe, entweder mich mies zu fühlen, weil ich den Ist-Zustand nicht aushalte oder zu resignieren und damit meine Ehe früher oder später in den Sand zu setzen, weil nichts mehr gemeinsames bleibt. Dass es gemeinsam mit meinem Mann vielleicht eben doch einen Ausweg geben MUSS, das konnte ich in meinem Loch nicht mehr sehen.

Ich weiss, es gibt viele andere Familien, in denen das auch so ist, dass der Mann soviel arbeitet und wo noch finanzielle Sorgen dazukommen, die wir nicht haben, was mich bisher immer davon abgehalten hat, es zu benennen, denn mir ist klar, es ist "Jammern auf hohem Niveau".

Das alles bringt es mit sich, dass ich zwar viel Zeit für mich selber habe, diese aber fast immer orts- und termingebunden stattfindet. Diese Zeit kann ich zwar nutzen, aber nur bedingt, denn so wirklich frei bin ich dabei nicht, es ist nicht Qualitätszeit (um mal ein sehr modernes Wort zu benutzen)
Dazu kommt, dass ich kein einfacher Mensch bin. Ich war es noch nie, und ich bin es noch heute nicht. Ich kann zwar behaupten, dass der Bruch in meiner Lebensgeschichte vor 10 Jahren das ausgelöst hat, aber das trifft es nur teilweise - vorher habe ich es einfach noch geleugnet, dass ich mehr will, mehr brauche.
Ich möchte Kontakte haben und pflegen, aber mir geht dazu manchmal die Zeit ab. Ich möchte Menschen nah bei mir haben - und erstarre manchmal, wenn sie mir dann zu nah kommen.
Ich weiss auch nicht, ob ich nicht einfach nur einer Illusion nachrenne, oder ob ich noch immer eine alte Baustelle meiner Kindheit ("Du bist nicht liebenswert") mal wieder in einer neuen Form beackere, oder ob ich einfach nur viel zu viel Zeit zum Grübeln habe.

Ich weiss es nicht, aber ich werde es herausfinden. Hier.
So offen, wie ich es mit mir vereinbaren kann, so offen, wie es das gläserne Medium Internet es zulässt, so offen, wie es geht, ohne Beiträge zu verpassworten oder nur offline zu schreiben.

Ja, das werde ich tun.
In mich hineingeschwiegen habe ich jetzt lang genug, um festzustellen, dass das nicht mein Weg ist.




Jac 16.11.2008, 21.13

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Kommentare zu diesem Beitrag

6. von ergobloggerin

Hallo Jac,
toll, wie du deine Beiträge schreibst, vor allem auch dieser hier. Ganz ehrlich, wer verschönert nicht manchmal ein bisschen - gerade wenn es um das Thema Familie geht, das alles unter einem Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Deswegen finde ich es mutig, dass du schreibst wie es dir eigentlich geht!
Liebe Grüße,
die ergobloggerin ;)

vom 29.03.2009, 22.24
Antwort von Jac:

Und mein Gegenbesuch bei Dir hat mich auch sehr erfreut und berührt ;-)
5. von Deli

Liebe Jac,

nach Ewigkeiten lese ich mal wieder in Blogs und dann gleich deine Beiträge zu Freunden/zum Alleinsein...

Ist es nicht evtl. eine Altersfrage? Die Ansprüche steigen doch im Laufe der Jahre und da ist es nicht so einfach, passende Menschen zu finden.

Ich habe hier auch niemanden vor Ort, mit dem ich so harmoniere wie mit früheren Freundinnen und ich finde auch nicht, dass das Internet ein Ersatz dafür sein kann.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Du bist also mit deine Gedankengängen nicht allein *smack*
:o)

Liebe Grüße
Deli

vom 23.11.2008, 16.43
4. von Deli

Liebe Jac,

nach Ewigkeiten lese ich mal wieder in Blogs und dann gleich deine Beiträge zu Freunden/zum Alleinsein...

Ist es nicht evtl. eine Altersfrage? Die Ansprüche steigen doch im Laufe der Jahre und da ist es nicht so einfach, passende Menschen zu finden.

Ich habe hier auch niemanden vor Ort, mit dem ich so harmoniere wie mit früheren Freundinnen und ich finde auch nicht, dass das Internet ein Ersatz dafür sein kann.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Du bist also mit deine Gedankengängen nicht allein *smack*
:o)

Liebe Grüße
Deli

vom 23.11.2008, 16.39
3. von edda.

Hi Jac,

du bist ganz in Ordnung so wie du bist. Sag ich mal "von außen draufguckend". Ich ahne ja nur, wie es drinnen aussieht.
Fest steht, du bist eine der wenigen Menschen, die meinen Gedanken- und Gesprächssprüngen problemlos folgen kann.
Und das Rööööösti-Angebot finden wir immer noch verlockend.
Außerdem mail ich dich nachher an, weil ich was von dir wissen muss.

Grüße von
edda.


vom 20.11.2008, 08.05
Antwort von Jac:

Danke ebenfalls - Du kommst bei meinen Gedankensprüngen jedenfalls auch immer problemlos mit. Nur ungebetene Zuhörer hätten vielleicht ein Problem mit uns, weil uns keiner mehr folgen kann *g*
Und das Röschti-Angebot, das gilt auch immer noch und hat kein Ablaufdatum :-)

2. von Anita

Gut so Jac!

Ich hoffe Dich eines Tages persönlich kennen zu lernen und mit Dir über Brüche und andere Krämpfe zu diskutieren, aber auch zu lachen.

In der Zwischenzeit lese ich hier weiterhin interessiert mit und gebe ab und zu meinen Senf dazu.

Liebe Grüsse und eine gute Woche
Anita

vom 17.11.2008, 09.52
Antwort von Jac:

Anita, ich würde mich wirklich sehr freuen, und Deiner Mailadressen-Endung entnehme ich, dass wir vielleicht gar nicht so weit auseinander sind :-)
1. von Biggi

Liebe Jac,
eigentlich bin ich mir ganz sicher, daß du DEINEN Weg finden wirst.
Störe dich nicht daran, wenn er für andere nicht "ideal" oder "passend" aussehen wird. Gehe diesen Weg nur für dich und du wirst sehen, alles andere wird sich geben.
Klar ist, daß du dabei deine Familie hinter dir stehen haben wirst...desen bin ich mir sicher. :)
Ohne dir zu Nahe kommen zu wollen :winke: , nehm ich dich einfach virtuell in den Arm.
Alles Liebe
Biggi

vom 17.11.2008, 06.46
Antwort von Jac:

Biggi, DU darfst mir gern zu nahe kommen - ich weiss noch gut, wie ich an "unserem ersten Abend" in Mainz essen und trinken und alles komplett vergessen habe, und wie gut das war *bussi*