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Ausgewählter Beitrag
Kaum zu glauben
Es ist Freitagabend, eine volle, anstrengende Woche liegt hinter mir. Der immer gleiche Trott von Erziehung mit Stolpersteinen, Hausarbeit mit Wiederhol-Effekt und Sinnlos-Gefühl, die ewig gleiche Meckerei beim Essen - aber :
Ich fühl mich gut!
Ich bin müde, geschafft, erledigt, aber es fühlt sich richtig an.
Es ist ein gutes Müde-Sein!
Nicht mehr dauernd nach den Sternen zu greifen und mich in tausend Ideen zu verrennen, wie ich meine "Besonderheit" nicht vergeude, sondern ganz einfach das zu tun, was ich doch eigentlich schon immer wollte : für meine Familie da sein, einfach da sein.
Die Hirngespinste von wegen Studium, um etwas zu beweisen, sind weggefegt. Nein, das muss ich nicht, ich muss niemandem etwas beweisen. Und wer glaubt, dass ich als Mutter und Hausfrau hier langsam aber sicher verblöde - der soll das doch glauben. Und es ist mir endlich wirklich egal...
Da habe ich doch denn Luxus, dass ich wirklich ohne Sorgen den ganzen Tag zur Verfügung habe, um Familie und Haus zu betreuen - und viel zu lange habe ich mir das Herz schwer gemacht, weil ich geglaubt habe, ich müsste noch etwas Besonderes leisten. Eben wie ein Studium mit fast 40, unter allerwidrigsten Umständen. Oder ein sensationelles Buch schreiben. Oder sonst irgendwas "Aufsehenerregendes". Blödsinn, alles.
Ich leiste etwas Besonderes :
Ich schaffe meiner Familie ein Daheim, indem sie sich alle wohlfühlen können, wo die Alltagslast abfällt, ich nehme jedes meiner Kinder als eigenständige, komplexe Persönlichkeit wahr und pflege quasi drei verschiedene Erziehungsstile, ich lese mich in die verschiedensten Thematiken ein, um sie zu verstehen und gut leiten zu können, ich stelle meine eigenen Bedürfnisse hintenan, wenn sie mich brauchen, ob ich Lust habe oder nicht....
Jawoll, ich tue hier etwas ganz wichtiges und seit ich meine Herausforderung innerlich aufgewertet habe, geht es mir dabei richtig gut. Natürlich ist es keine Herausforderung, zum x-ten Mal den gleichen Ort zu putzen und Hemden bügeln ist auch nicht gerade eine intellektuelle Beschäftigung - aber einem Kind zu helfen, die Welt zu verstehen und mit ihr klarzukommen, ihm nicht die eigenen einstigen Defizite aufzubürden, das ist eine.
Eigentlich so einfach, und doch so kompliziert, meine Einsicht.
Aber für mich ein ganz grosser Schritt nach vorne, der meinen Tag leicht macht. Wie eine Feder, wo er sich vorher oft wie Blei anfühlte...
Jac 04.02.2005, 21.38
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Kommentare zu diesem Beitrag
danke, das hast du wunderschön geschrieben :o)
vom 05.02.2005, 21.27
Sei stolz auf Dich - es ist ein beinharter Job, den wir machen :-)
Liebe Jac,
eigentlich hast Du recht und Du hast das Glück, daß Ihr es Euch leisten könnt, daß Du zuhause bist.
Eigentlich bin ich auch gern zuhause, aber wir können es uns eigentlich eben überhaupt nicht leisten und das belastet unheimlich.
Eigentlich halt :-/
Liebe Grüße
Chris - hast Du die Mails bekommen?
vom 05.02.2005, 11.01
Eigentlich - wenn ich arbeiten gehen würde, dann könnten wir uns dann wohl trotz Mehreinkommen die Kinderbetreuung nicht leisten...
Willkommen in der Realität der Schweiz, wo der Kindergarten eine Vorschule ist und geregelte Schulzeiten ein ferner Traum....
Die Mails arbeite ich auch gelegentlich ab ;-)
die job-beschreibung mutter/vater wäre x seiten lang!
das anforderungsprofil umfasst von a-z einfach alles und darum verstehe ich die mütter/väter nicht, die sich "klein" machen (lassen) weil sie "NUR" zu hause sind - sich um die kinder, den haushalt etc. kümmern.
das wichtigste ist doch, dass man sich wohl fühlt bei dem was man tut.
für mich stimmt mein mix der aus 20% bürojob und 80% mamijob besteht.
um nichts in der welt möchte ich wieder 100% im büro sitzen und die entwicklung der kinder verpassen.
liebe grüsse und geniess deine mutter-zeit! andrea :o)
vom 05.02.2005, 10.11
Ich bemühe mich drum, es zu geniessen - besonders dann, wenn ich eigentlich die Nase voll habe ;-)
Ich stehe auf der anderen Seite -ich bin der Brötchenverdiener in der Familie. Habe ich mir nicht unbedingt ausgesucht, hat sich so ergeben.
Und ich habe schon öfter die Familienfrauen beneidet. Beruf ist für mich keine Selbsverwirklichung, es ist Geld verdienen. Ich kann nicht verstehen, was daran so toll ist, sich täglich von Vorgesetzten und Kunden gängeln lassen zu müssen...
Liebe Grüße,
Gabi
vom 04.02.2005, 22.13
Ich eigne mich wohl nach 10 Jahren selbständigem Mutter-Job auch nur noch begrenzt als Befehlsempfänger - und das konnte ich auch früher nicht gut.
Hier sagt mir keiner, was ich zu tun habe, hier muss ich meine Arbeitsdisziplin selber aufrecht erhalten, dafür kann ich es mir vorwiegend selbst einteilen.



Dein Eintrag tut mir so richtig gut!
Mit ganzem Herzen bei dem sein,
was vor einem liegt,
was gibt es Besseres?
Liebe Grüße von Maria
vom 06.02.2005, 08.30
...und wenn man es wirklich immer könnte, dann wäre so vieles leichter - aber wie oft ist man eben mit dem Herzen nicht dabei, weil man glaubt, sich an fremden Masstäben messen zu müssen?
Liebe Grüsse :-)