Stapelweise
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Mein Leben in 6 Worten:

Klein beigeben ist was für andere.

 

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Ja nun also...

Ich bin ja überhaupt nicht für dieses komische neumodische Zeugs zu haben, aber meine Nachbarin, die Frau Stapelweise, hat mich dazu überredet, als ich ihr das letzte Mal ins Gewissen geredet habe, weil sie ihre Fenstersimse nicht jede Woche reinigt so wie ich. Sie hat gemeint, ich soll mich dann erst mal vorstellen. Also, ich find das ja etwas übertrieben, wir sind ja hier nicht in der Schule, oder? Aber ich muss wohl nachgeben, sonst wischt sie ihren Vorplatz wieder nicht und der Dreck wird auf unsere Einfahrt gewindet.

Also, ich bin Frau Bünzli, geborene Hässig, ich bin alt genug, um die Mutter der Frau Stapelweise zu sein (übers Alter spricht eine Frau ja nicht, oder?). Ich bin mit dem Fritzli Bünzli verheiratet, der schafft als Postautochauffeur, bis er dann in ein paar Jahren pensioniert wird. Ich habe einen Sohn, den Hans-Ruedi, aus dem ist zum Glück was besseres geworden, der ist jetzt Doktor Rechtsanwalt und hat einen ganz, ganz wichtigen Posten inne und verdient richtig viel. Ich will mich ja nicht selber loben, aber wenn ich nicht gewesen wäre, hätte er es nie soweit gebracht!
Wir wohnen eben neben der Familie Stapelweise, und mit der habe ich öfters so meine Probleme, ich kann gar nicht verstehen, wie man derart ignorant sein kann, was sich gehört. Diese jungen Frauen von heute, die versteh ich einfach nicht.

Ach, das reicht, Sie werden mich schon kennenlernen, man muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, oder?

Ausserdem ist heute Sonntag, und da soll man ruhen und nichtstun - die Frau Stapelweise hält sich ja wieder nicht dran, ich weiss, dass die immer sonntags die Waschmaschine laufen lässt - pah, Niedertarif, das gehört sich nicht. Die würde besser in die Kirche gehen, das würde sich gehören. Aber heutzutage geht ja keiner mehr, ich habe heute morgen extra aus dem Fenster geschaut - es ist keiner aus der Strasse zur Gottesdienstzeit weggefahren. Bei uns ist das ja was anderes, wir konnten heute wirklich nicht, wissen Sie, der Hansruedi kam mit seiner neuen Freundin zum Sonntagsbraten, das geht ja nun mal vor, oder? Aber die anderen hätten schon gehen können, aber da liegen sie sonntags bis weiss nicht wann im Bett und es gibt noch nicht mal Mittagessen. Brunch, so ein neumodischer Schmarren! Das hätte es früher nicht gegeben!

Geniessen Sie den restlichen Sonntag, ich werde gerufen, der Sonntagskaffee steht auf dem Tisch - mit Tischdecke natürlich, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Ihre Klara Bünzli-Hässig

Jac 27.02.2011, 15.16

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