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Identitaetskrise als Chance



Die letzten  Monate waren geprägt von meiner zunehmenden Unfähigkeit, Strategien aufrechtzuerhalten, die ein Leben lang funktioniert haben. Mit dem Bewusster-Werden, warum ich die Dinge tue, wie ich sie tue, wurde es mir unmöglich, sie weiterhin so zu tun, auf dem Weg zur Perfektheit.
Gleichzeitig stieg der psychische und auch physische Druck auf mich durch die Erkrankung des WBE, die Ungewissheit, die irrealen und realen Ängste, die zusätzliche Belastung durch  Mehrarbeit, all das zehrte an mir.

Nun stehe ich hier :
die alten Strategien funktionieren nicht mehr und neue habe ich noch nicht.
Doch das erste Mal seit Wochen empfinde ich das nicht mehr nur als Last, sondern als Freischwimmen von eingefahrenen Wegen.

Nun weiss ich, dass es nicht mein Weg ist, eine brave Farmersfrau zu sein, beständig und perfekt, organisiert und ausgeglichen.

All das, was ich nun ein halbes Leben lang  versucht habe, unter der Maske des Perfektionismus zu verstecken, das Chaotische, das Sprunghafte, das Überfliegerische - das macht mich aus. Der Versuch, etwas darzustellen, was ich nicht bin, ist mir zwar ausserordentlich gut gelungen, aber es kostetete mich mehr Kraft, als ich hatte - und jetzt möchte ich sie nicht mehr haben.

Und genau das, was einerseits meine Schwächen sind, sind gleichzeitig auch meine Stärken.
Mag sein, dass mein übergrosses Aufnahmevermögen mich unfähig macht, mich in grossen Menschenmassen in Smalltalk zu üben - aber gleichzeitig befähigt mich das, komplexe Sachverhalte einfach aufzunehmen, feine Schwingungen des Zwischenmenschlichen zu spüren, manchmal sieben Dinge gleichzeitig zu tun.
Meine hunderttausend Ideen führen zwar dazu, dass es in diesem Haus von angefangenen und nie fertig gemachten Dingen wimmelt - aber gleichzeitig gibt es auch viele Dinge, auf die ich sonst gar nicht gekommen wäre.
Mag sein, dass ich manches nur unter (Zeit)Druck erledigen kann - aber ist das nicht egal, solange es am Schluss fertig und gut ist?

Viele solche Gedanken rasen durch meinen Kopf und ich begebe mich auf einen Weg, wo ich nicht weiss, wo er mich hinführt. Es wird kaum so sein, dass ich für andere Menschen plötzlich ein komplett anderer Mensch bin, die Änderungen sind in mir drin. Genau wie auch mein Chaos nur in mir drin ist und eigentlich schon immer war, nach aussen galt ich als sehr zielstrebig und organisiert - und zwar so sehr, dass ich das selber auch geglaubt habe.

Es fiel mir anfangs schwer, mir einzugestehen, dass ich mir etwas vorgemacht habe - doch unterdessen sehe ich es als grosse Chance, frei zu werden.
Frei von übermenschlichen Ansprüchen an mich selber.
Frei von blockierenden Verhaltensweisen.
Frei von aufgepflanzten Gedankengängen.
Frei, ich zu sein.

 

Jac 28.12.2003, 12.13

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von Chris & Co.

Liebe Jac,

chapeau! Du bist schon wesentlich weiter als ich :-/

Und einen ganz lieben Gruß
Chris & Co.

vom 28.12.2003, 20.22
2. von Only Me

Liebe Jac,

ich fange mal völlig unstrukturiert an. Es gibt keine irrealen Ängste. Es gibt Auslöser für diese Gefühle, die die Intensität des Gefühls nicht erklärt. Das ist alles. Die Angst selbst ist sehr real. Sie fühlt sich wahr an. Und wie Gefühle bei jedem Einzelnen ausgelöst werden ist zum Teil eine erlernte Sache - zum Teil aber auch angeboren. Das "Standgas" bei ADD'lern ist eben höher und daher sind sie auch schneller übers Ziel hinausgeschossen (der Weg ist kürzer) - nicht nur beim Angstfühlen.

Die Erkenntnis, dass einige Strategien nicht mehr funktionieren - wenn man weiß was und vor allem warum - man das tut. Wie Du so schön bei mir sagtest. Es braucht seine Zeit. Schritt für Schritt. Rückschläge. Aufrappeln. Neustart. :-)

Ich bewundere Dich. Weiß ich nicht, ob ich in Lage wäre eine solch große Familie zu haben und irgendwie klar zu kommen.

Ich spüre auch in Dir eine unbändige Kraft. Glaube Du spürst sie auch manchmal. Manchmal eben auch nicht. *lächel* Ich glaube an Dich und Du wirst Deinen Weg gehen.

Mein Therapeut sagte mir: Es ist nicht fair, dass Sie immer mehr machen müssen als die Anderen. Dass es mehr Kraft kostet. Dass sie mehr auf sich achten müssen.

Dieser Satz ist für mich - trotz der erstmal negativen Aussage - ein Trost. Denn dort wurde erkannt, dass ich nicht einfach nur nicht will - sondern manchmal nicht kann. Ich wußte ja auch nicht wie.

Sicher ist das Leben nicht fair. Aber es gleicht aus. Denn meinen Blick der Dinge ist eigentlich etwas sehr schönes - wenn ich damit umgehen kann *lach*

Es gibt eben nichts anstrengenderes als Nachdenken ;-)

*umärmel Dich ganz doll lieb*

Eine Me







vom 28.12.2003, 15.12
1. von edda.

Liebe Jac,

bich/b freu mich auf dich!

lg

edda.

vom 28.12.2003, 14.16