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Mein Leben in 6 Worten:

Klein beigeben ist was für andere.

 

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Grosses Mädchen, kleines Mädchen

***
Es war einmal ein kleines Mädchen, dessen Leben daraus bestand, bloss nichts falsch zu machen, um vielleicht doch wenigstens einmal Anerkennung und Liebe zu bekommen. Weil das Mädchen klein war, hatte es immer wieder die Hoffnung, dass einmal etwas so gut sei, dass es etwas Nettes zu hören bekomme, dass einmal jemand lieb zu ihr sei, dass einmal jemand an sie denkt und sie ein Geschenk bekommt oder einen Glückwunsch zum Geburtstag. Dieser Jemand waren meist ihre Eltern, von denen sie das aber nicht bekam.

So zog sich enttäuschte Hoffnung wie ein roter Faden durch ihr Leben. Lange Zeit liess sie sich davon nicht entmutigen, doch irgendwann resignierte das kleine Mädchen und dachte sich "wünsch Dir bloss nichts, Du wirst eh nur enttäuscht" und zog sich in ihr Schneckenhaus zurück, wann immer sie in die Lage kam, dass sie vielleicht hätte hoffen sollen.

Das kleine Mädchen wurde zu einem grossen Mädchen, das nach immer wiederkehrenden Schwierigkeiten hart daran arbeitete, die Muster von damals wieder aufzulösen, stolz auf sich selber zu sein, Anerkennung und Liebe auch mal einzufordern, ein gesundes Verhältnis zu Wünschen und Erwartungen aufzubauen, und weil das grosse Mädchen ein sehr willensstarker Mensch war, gelang ihm das sehr gut und die meiste Zeit seines Lebens konnte es vor sich hin leben, als hätte es eine völlig unbeschädigte Jugend gehabt.

Doch manchmal, in Momenten, wo das grosse Mädchen an seinen Grenzen steht, wo Erschöpfung oder Müdidkeit ihr die Sinne vernebelt, übernimmt das kleine Mädchen unbesehen das Kommando und diktiert dem grossen Mädchen Flucht, Schneckenhaus und die stete Angst vor der enttäuschten Hoffnung.
Das grosse Mädchen ist dem dann hilflos ausgeliefert, wenn aus ihrem Umfeld Signale kommen, die denen von damals ähneln.
Das grosse Mädchen weiss, dass das für das Umfeld kaum zu erkennen ist, dass das für das Umfeld auch schwer nachvollziehbar ist, doch das grosse Mädchen hofft im Gegensatz zum kleinen Mädchen, dass man ihr in dem Moment helfen kann, und genau dann, wenn sie so seltsam reagiert, sich zurückzieht und verkriecht, erkennen kann, dass das kleine Mädchen grad regiert und dringend auf der Suche nach etwas Anerkennung, Liebe und Wärme ist, damit es sich wieder in die Tiefen der Seele des grossen Mädchens verziehen kann.

***
Mein kleines Mädchen hat mich letzte Woche regiert und das grosse Mädchen zu irrsinnigen Leistungen angetrieben, bis zur Erschöpfung und darüber hinaus, bis zur Verzweiflung und zu Tränen vor Erschöpfung. Und wieder einmal bin ich reingefallen, habe es nicht gemerkt, habe keine Notbremse gezogen, sondern habe es zugelassen, dass sich das grosse Mädchen das schöngeredet hat, dass es ja alles unbedingt gleich sofort erledigt sein muss, weil und darum und deshalb.

Ich bin wieder ich selber, ich regiere mich wieder allein, das kleine Mädchen ist schlafengegangen und ich fühle mich zwar noch etwas geschlaucht, doch immerhin kann ich dafür jetzt eine ruhigere Kugel schieben, weil ich letzte Woche soviel getan habe. An einer gesünderen Verteilung arbeite ich noch....



Jac 06.09.2010, 20.46

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