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Freier Fall


Die letzten Wochen und Monate waren hart.
Nicht weil sie voller tragischer Momente waren, sondern weil sie angefüllt bis obenhin wurden, mit Alltag, mit Umbau, mit Arbeit, mit Zurückstecken.
Weil ich sie nur geschafft habe mit einem Lächeln im Gesicht (wenn auch oft mit einem gequälten), weil ich alles aktiviert habe, was ich an Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin aufzubringen hatte.

Mit jedem Tag, den ich geschafft hatte, nach aussen voll, wurde es mal wieder innen drin leerer, leiser, sprachloser...
Mit jedem Tag angefüllt mit Pflichten und Verantwortlichkeit stieg das Bedürfnis auszusteigen, wegzulaufen - und zeitgleich die Erkenntnis, dass das mein Pflichtbewusstsein niemals zulassen würde.

Gefangen durch den eigenen Charakter, gefangen in mir selber.

Der Zimmerumbau beschäftigte meinen Körper und meinen Geist in so ausreichendem Mass, dass es nicht mehr so schwierig war, nicht darüber nachzudenken, ob es mir gut geht.
Leichtigkeit, Lebenslust, Freude - irgendwie war das nicht so wirklich angesagt. Und weder Lichttherapie noch Berge von Kohlehydraten konnten etwas ändern, aber wie schon erwähnt, das war nicht so zentral, denn darüber brauchte ich nicht nachzudenken, es gab genug anderes...

Doch dann neigte sich der Umbau dem Ende zu, die neuen Zimmer wurden mit Freude von Oliver und Victoria in Beschlag genommen, der Rest des Hauses mit einem Sondereinsatz erster Klasse in den Normalzustand zurückgeführt - und was da unter der Oberfläche schon zu brodeln begann, kam dann ans Tageslicht.
Klar, ich hätte einfach bloggen können "ich habe die Nase voll" - aber das hätte an meinem MichFühlen nicht viel geändert, mich auf einen Satz zu beschränken, wäre mir zu banal und mich auslassen darüber zu viel gewesen.

Es musste eskalieren, ich musste explodieren, um all das freizulassen, was ich nun so lange eingesperrt hatte. All die aufgestauten Tränen, die Mutlosigkeit, die Verzweiflung, die Erschöpfung brachen aus mir heraus und liessen mich im freien Fall in die Tiefe stürzen.....


.... um dort sanft zu landen, angekommen bei mir selber, in meiner Ganzheit, überschwemmt von Gefühlen, zugelassenen Gefühlen.

Jetzt geht es mir endlich wieder besser.
Ich weiss, dass ich noch nicht über den Berg bin, ich weiss, dass mir Sonne und Wärme, Abwechslung und Leichtigkeit fehlt, aber ich habe wieder ein bisschen Energie, um das einzusehen und wo möglich, etwas daran zu ändern. Mich für _meine_ Belange einzusetzen, und nicht nur für die von den vier anderen Menschen dieser Familie.

Ich habe das Gefühl, diesen Prozess immer und immer wieder mal durchzumachen und ich frage mich, ob das wohl nur mir so geht, ob das wohl je besser wird, ob ich irgendwann lernen werde, auf Druck nicht mit komplettem Rückzug zu reagieren, aber ich fürchte, ich werde die Antworten darauf noch lange nicht kennen.

Für den Moment freue ich mich einfach mal drüber, dass ich meine Sprache wiedergefunden habe.


Jac 12.02.2009, 20.47

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von edda.

Liebe Jac,

herzlichen Glückwunsch nachträglich zu deinem Geburtstag. Hab es nicht geschafft, dir ein Kärtchen oder auch nur einen Gruß zu schreiben :( .

Dass mein nachweihnachtlicher Gruß bei euch eintraf, hab ich auch gelesen. Lasst es euch schmecken, wahrscheinlich ist schon nix mehr da und das ist auch gut so!

Nun zu dir, du schlummernder Vulkan :) . Sicher ist es für deine Umwelt schwierig zu ertragen, wenn du nach außen die Ruhe bewahrst und sich alles ganz plötzlich - scheinbar ohne äußeren Anlass - in fürchterlichen Eruptionen entlädt. Leider kenn ich das von mir (als Vulkan, nicht als Betroffene).

Wäre es vielleicht für alle schonender, schon das kleinste Blubbern des Vulkans nach außen zu lassen? Okay, beginnen kann man mal mit mittleren Eruptionen, die man rauslässt.

Meine Familie ist inzwischen dran gewöhnt, dass es bei mir gelegentlich (und auch gelegentlich häuifger) mal überkocht, dass ich von null auf 180 bin in weniger als 3 sec. Wir alle haben gelernt, dass ich genauso schnell wieder unten bin und dass keiner sich fürchten muss.
Mama tut nix, die will nur spielen :/.

Ganz abgewöhnen kann ich mir mein Temperament nicht. Müssen wir halt alle mit leben.

Viele Grüße und *Zähne auseinander!*
edda.



vom 13.02.2009, 11.57