Stapelweise
Stapelweise
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
Statistik
Einträge ges.: 1899
ø pro Tag: 0,6
Kommentare: 3782
ø pro Eintrag: 2
Online seit dem: 07.12.2003
in Tagen: 3085

Ausgewählter Beitrag

Erziehungsratgeber

Es gibt mehr als genug Erziehungsratgeber, mehr als genug Erziehungsrichtungen, aber etwas vermisse ich immer bei all diesen Büchern :
die Praxistauglichkeit!
Und damit meine ich nicht, dass die Ratschläge nicht grundsätzlich funktionieren - sondern dass sie fast alle darauf basieren, dass man sich uneingeschränkt dem Kind und dessen Erziehung hingeben kann. Das ist ja eigentlich wünschenswert, damit man selber die Ruhe und Gelassenheit aufbringen kann, um solche Prinzipien zum Funktionieren zu bringen.


Doch genau da liegt der Haken : was auf dem Papier so einleuchtend klingt, ist wesentlich schwieriger umzusetzen, wenn das gleichzeitig bei drei Kindern in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und Persönlichkeitsbeschaffenheit passieren soll, und nebenbei das Abendessen gekocht, Telefonanrufe beantwortet und die Zimmer aufgeräumt werden sollte.

Wenn Kind A ganz klare, sachliche Konsequenz braucht, Kind B gleichzeitig getröstet werden muss und Kind C von seinem Trotzanfall mittels Auszeit erlöst werden soll und nebenbei das Spaghettiwasser kocht, dann ist es nahezu unmöglich, irgendwelche klugen Sätze umzusetzen.

Und genau darum mache ich das auch nicht mehr. Es geht einfach nicht. Es mag sinnvoll sein, sich grundsätzlich mal darüber Gedanken zu machen, wie man seine Ziele erreichen will bei der Aufzucht seiner Nachkommen, welche Werte man vermitteln möchte. Aber nach einem Buch erziehen, das geht nicht. Weil jedes Kind und jede Familie und jeder Tag so individuell ist.

..und auch ich als Mutter bin nicht jeden Tag gleich gelassen und gut drauf, und manchmal kann ich ruhig bleiben, weil es mir gut geht, und manchmal bin ich eh schon gereizt und dann platzt mir leichter der Kragen und ich werde völlig unpädagogisch laut. Menschlich eben.

Und wenn ich so darüber nachdenke, was ich da so täglich an Denkarbeit leiste, an Selbstdisziplin aufbringen muss - dann weiss ich, dass ich mich keineswegs klein fühlen muss, weil ich "nur" Mutter und Hausfrau bin - im Gegenteil. Dann bin ich stolz auf das, was ich täglich hier leiste.

Jac 27.05.2004, 10.16

Kommentare hinzufügen











Kommentare zu diesem Beitrag

3. von birgit

als in der erziehungsratgebung tätige mit eigenen erziehungsratgeberresistenten kindern versuche ich inzwischen genau das zu vermitteln :) ))))))))))
und wie sollten unsere kinder später im leben klarkommen mit engelsgleichen müttern als vorbild ???
sie müssten ja das gefühl haben völlig zu versagen
birgit

vom 28.05.2004, 20.03
Antwort von Jac:

Da besteht ja bei meinen Kinder wenig Gefahr *ggg*
Aber das Wort "erziehungsratgeberresistent" muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen - genial *g*


2. von Steffi

Meine Liebe,

das ist eben genau der Unterschied zwischen Müttern und Schreibern von Erziehungsratgebern.
Das eine sind Theoretiker, das andere Praktiker.

Ich weiß nicht, ob meine Erziehung deren Ansprüchen genügen würde (d.h. eigentlich bin ich mir sicher, sie tut es nicht!), aber es ist die einzige die ich zustande bringe.

Übrigens: Steve Biddulph der Autor von "Das Geheimnis glücklicher Kinder" schreibt von sich selbst, daß er zu dem Zeitpunkt als er das Buch schrieb nur Haustiere, aber keine Kinder hatte. *g*.

Ich finde das läßt tief blicken.

LG
Steffi

vom 28.05.2004, 10.20
Antwort von Jac:

Das lässt sehr tief blicken *augenverdreh* - und es erinnert mich ein bisschen an die kinderlosen Verwandten und Bekannten, die immer ganz genau wissen, wie man Kinder zu erziehen hat und wie das alles zu funktionieren hat "also bei mir gäbe es das aber nicht".....


1. von Anke

liebe jac, wie recht du hast. ich hab keine ratgeber im haus. ist eh alles einer "erziehungsmode" unterworfen. heute so, morgen wieder ganz anders. ich habe ein bauchgefühl, einen instinkt und manchmal einfach nur die "faxen dicke". ich gebe zu, manchmal tage zu haben, an denen ich schlicht und einfach keine lust habe, zu erziehen. und? die kinder überstehen auch das. es gibt grobe regeln, die eingehalten werden (sollten *gg*). ich bin eine mutter ohne heiligenschein, mit fehlern behaftet, manchmal nur genervt, aber immer voller liebe. ich muss nicht immer gute laune haben, ich bin ein mensch. von keinem anderen familienmitglied wird das dauergrinsen erwartet. warum dann also von der mutter? hausfrau und mutter ist mein job. so wie mein mann seinen hat. und manchmal kommt er mit dickem hals und schlechter laune aus dem büro und ist völlig genervt. und an manchen tagen gehts mir eben so, genervt vom job. das ist völlig in ordnung. und nun mache ich weiter mit meinem nervigen job *gg*. lg anke

vom 27.05.2004, 12.16
Antwort von Jac:

Reich mir die Hand - es beruhigt mich, zu wissen, dass ich nicht allein stehe damit, dass ich manchmal erziehungsunlustig bin :-)
Liebe Grüsse an Dich!