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Ausgewählter Beitrag

Die Kristallschüssel


In unseren Ferien machten wir einen Ausflug nach Rattenberg, der Glas-Stadt. Dort erlebten wir hautnah, wie Glas geblasen, bemalt, geschliffen wurde und entdeckten unzählige Dinge, die man aus Glas auch machen kann. Natürlich lebt so ein Ort von Touristen wie wir, die dann möglichst dem Einkaufsrausch erliegen und Glasengel, - blumen, - gläser, -vasen und vielerlei mehr erstehen.

Beim Bummel durch die Stadt blickten wir in den Laden eines Kristallschleifers, der viele schöne Dinge im Schaufenster hatte und im Laden drin die Schleifmaschinen stehen und wir fühlten den unwiderstehlichen Drang, irgendwas genau aus diesem Laden zu erstehen, was wir dann auch getan haben, eine kleine, zweifarbige, schön beschliffene Schale begleitete uns auf dem Weg - und im Kopf der Anblick einer wunderschönen grossen Schüssel, die alles bisher gesehene in den Schatten stellte.
Doch meist ist bei solchen Dingen ja so, dass sie am nächsten oder übernächsten Tag vergessen sind, dass sie dann so wichtig auch nicht mehr sind, als dass man richtig viel Geld dafür auslegen will.

Doch diese Schüssel ging mir nicht mehr aus dem Kopf, war sie doch das Perfekteste, was ich je an Kristallschüsseln gesehen hatte, sodass wir am Tag vor unserer Abreise, nach dem Packen entschieden - wir fahren da nochmal hin und schauen sie uns noch einmal an, in der Annahme, dass die Erinnerung einiges verklärt hat und sie dann doch nicht mehr so schön, so speziell, so habenswert sei.



Dort angekommen, ein Blick ins Schaufenster, wo sie so vor sich hin stand, *wow* gedacht - und dann festgestellt - das Geschäft hat schon zu. "Das ist wohl ein Zeichen, dass sie nicht zu uns will" - doch dann entdeckten wir das Schild vom Zweitgeschäft weiter unten  und marschierten los, schliesslich sollte es an uns ja nicht liegen. Doch auch dort war schon geschlossen, und ich dachte mir "nun ja, das ist nun ein klares Zeichen, aber es ist doch sehr schade" - und dann kam von hinten jemand auf uns zu, fragte, ob er nochmal aufsperren soll, bat uns hinein und wies uns darauf hin, dass sein Vater, der Geschäftsinhaber, ein netter, älterer Herr, hinter uns im Strassencafé sitze - und so kam es, dass die Schüssel doch noch unsere Schüssel wurde.

Im Gespräch erzählte er uns dann, dass es von dieser Schüssel nur grad dieses Exemplar gebe, weil das erste Stück im Säurebad zum Polieren gesprungen sei, dass 12 Stunden schleifen darin steckten (und wir realisierten, dass das bedeutet, nicht das Schleifgerät an die Schüssel zu bringen, sondern die 5.2 Kilo schwere Schüssel ans Schleifgerät zu halten), dass Söhne und Enkel auch Glaskünstler seien und vieles mehr, sodass die Schüssel nicht mehr nur ein besonders schönes Stück war, sondern eine ganz persönliche Note bekam.




Dass bei der Rückkehr zum Auto dann ein Marienkäfer auf der Scheibe sass, der auch auf der Autobahn nicht wegflog, zeigte uns - sie war uns doch bestimmt, diese Schüssel.

Es war unvernünftig, Luxus, überflüssig, unnötig, dieses Exemplar zu erstehen - aber das braucht es manchmal einfach...


Jac 26.07.2009, 11.31

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Melody

Oh ... das wird ganz sicher ein neues Familienerbstück, die ist ja wirklich beeindruckend schön. Über 5 kg? Hui.

vom 29.07.2009, 00.54