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Ausgewählter Beitrag
Denken
Denken allein macht nicht glücklich.
Aber Nicht-Denken macht auch nicht glücklich.
Diese Sätze habe ich in einem Posting über Hochbegabung so dahingeworfen - und nun wird mir bewusst, wie prägnant sie doch wiedergeben, was lange gross und dick über meinem Leben stand.
Sich selber das Denken zu verwehren, um geliebt, akzeptiert und anerkannt zu werden, um sich in eine (mysteriöse) Norm einzufügen, mag kurzfristig dazu führen, dass man sich wohl fühlt, weil man vermeintlich ist wie die anderen, wie die Mehrheit, wie man doch so gerne sein möchte. Aber auf lange Frist funktioniert es nicht, und die Rebellion der Gedanken, der Aufstand des Gehirns ist nur eine Frage der Zeit. Und dann demolieren die Gedanken und Verknüpfungen rigoros all das, was einem doch so lang als Lebensstrategie lieb war, und man fängt eigentlich wieder bei null an. Vor vielen Jahren hat mir ein Schulfreund mal in mein Album geschrieben "Männer mögen keine klugen Frauen" - nach dieser Devise habe ich dann auch gelebt, nicht, weil das da stand, sondern weil es mir als die einzige Chance erschien, auch so zu sein, wie die anderen, normal zu sein, dazuzugehören. Viel zu lange.
Um den goldenen Mittelweg, um den kämpfe ich noch immer gelegentlich, aber wenigstens weiss ich heute eines : der Schulfreund hatte zumindest in einem konkreten Fall unrecht, und das macht wohl auch den Erfolg meiner Ehe aus - dass ich so viel denken darf, wie ich will, und dass ich meine Wissbegier nicht hinter Naivität und Lebensuntüchtigkeit verstecken muss, um die Beziehung am Leben zu halten. Das ist ausserordentlich entspannend!
Ich wünsche mir so sehr, dass ich meinem Sohn ein besseres Rüstzeug mitgeben kann, dass er sich nicht so ausgeschlossen und fremd fühlt, nur weil er die Welt mit anderen Augen sieht. Ich arbeite dran und lasse ihn denken, soviel er will, solange er gelegentlich in die normale Welt eines Kindes zurückkehrt ;-) Ich wünsche ihm, dass er sein Potential frei nutzen kann ohne den Hemmschuh, dass er nur nicht-denkend geliebt wird. Und mir wünsche ich, dass ich meine Mitte finde, ohne dabei allzuvielen Menschen auf die Füsse zu treten, weil ich gerade vollkommen anderswo bin *g*
Jac 03.07.2005, 14.36
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Kommentare zu diesem Beitrag
Es ist gut, dass du Oliver denken läßt. Denke ich.
So wie ich dich bisher lesend kennen gelernt hab, wirst du deine Mitte finden. Und ehrlich ... manchmal muß man anderen auf die Füße treten. Ich für meinen Teil brauche sowas manchmal ...
vom 03.07.2005, 18.39
Ich suche meine Mitte täglich neu, manchmal mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg. Aber Oliver wird immer die Freiheit haben, soviel zu denken, wie er es möchte - solange es nicht grade komplett mit dem Team "Familie" kollidiert. Meine "Denker-Karriere", die will ich ihm bestimmt ersparen. Aber ich habe auch einen Vorteil - wir wissen, dass er so ein Denker ist, zu meiner Zeit hat man sich über solche Sachen keinen Kopf gemacht.
Liebe Jac,
ich denke, Jungs haben es leichter, in dieser Hinsicht. Meinst du nicht?
Ich weiss noch genau, dass die Lehrer an meiner Schule immer der Meinung waren, wenn ein Mädchen nicht kapiert ist das nicht so schlimm, bei einem Jungen aber sehr wohl.
Für mich hiess das, Mädels dürfen in doof sein, Jungs nicht. Wegen einem Mädchen waren die Wiederholungen immer irgendwie kürzer, als sie es wegen eines Jungen waren.
Trotzdem wünsche ich Oliver natürlich, dass er seinen Weg macht. So wie es ihm und seiner Begabung entspricht.
Im mir hat der Beitrag (im Forum) ein kleines Bedauern ausgelöst, das Gefühl, es hätte alles anders sein können. Ich hoffe, bis heute Abend bin ich es wieder losgeworden.
Und jetzt gehe ich der neuesten Frage meines Sohnes auf den Grund. Warum heisst ein Flohmarkt eigentlich Flohmarkt? Wurden da früher Sachen mit Flöhen verkauft?
Weisst du es? Ich wäre dir ewig dankbar.
Manchmal wünsche ich mir wirklich die "Warum"-Fragerei zurück. Das war bedeutend einfacher zu beantworten
.LG
Steffi "man nennt mich die Herrin der Suchmaschinen"
vom 03.07.2005, 16.43
Ja, ich glaube auch, dass die Problematik bei Mädchen deutlich grösser ist, weil Mädchen dazu neigen, zum Underachiever zu werden - und mit diesem Wissen schaue ich mir meine Tochter manchmal mit gemischten Gefühlen an.....



kann man jemanden das denken verbieten? nicht wirklich, oder? wenn oliver gestärkt und bestärkt wird, dann wird er sich fürs denken entscheiden und sich nicht davon abbringen lassen. wird sich nicht unterdrücken und somit verbiegen lassen. wie heisst es so schön.... auf jeden topf gibt es einen passenden deckel... er wird "seine" leute finden! (du hast den "richtigen" partner ja auch an deiner seite...) denkt was das zeugs hält... es gibt viele die gar nicht wissen, was eigenständiges denken ist und nur "aufgewärmtes" präsentieren können. mit dir hat oliver eine liebevolle, starke und selbstbestimmte bezugsperson die ihm den rücken - wann immer nötig - stärkt und ihn aber loslässt, damit er seine eigenen erfahrungen machen und somit wachsen kann. halte euch beiden die daumen, dass ihr eure mitte immer wieder findet - in dieser lässt sich kraft tanken für "geistige" und andere höhenflüge! :o) liebe grüsse, andrea
vom 04.07.2005, 08.05