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Ausgewählter Beitrag
Anstrengend
...war der Auslassversuch von Olivers Medikament heute - für ihn, für uns, für seine Geschwister - aber trotzdem unheimlich wertvoll, weil er uns allen mal wieder gezeigt hat, warum Olivers ADS medikamentös therapiert wird.
- Er hat heute kaum gelesen, obwohl er gestern abend ein neues, heiss ersehntes Buch bekommen hat (Eragon Teil 2), obwohl er sonst bei so einem Buch mehrere Stunden am Tag liest, wenn er die Zeit dazu hat.
- Als er im Kellerzimmer gelesen hat und der Kleine nebendran mit einer Modeschmuckkette gespielt hat, hat ihn das Klackern derselben derart gestresst, dass er nicht mehr lesen konnte und auch ziemlich schnell laut und aggressiv geworden ist.
- Er hat das Klavier keines Blickes gewürdigt.
- Beim Kartenspielen wurde er mit jeder Runde überdrehter und zappliger und sitzen ging schon gar nicht mehr - und er war noch nicht mal am Verlieren, wir mussten also keine Karten zusammenlesen, die er in der Wut durchs Zimmer geworfen hat.
- Mit ihm zu reden fand auf einer deutlich anderen Ebene statt als sonst, die Hälfte ist eindeutig nicht angekommen.
- Gegen Abend wurde er zunehmend überdrehter, hat nur noch im Sopran mit uns geredet, ist dauernd auf den Zehenspitzen gelaufen und von jedem Geräusch (ausser seinem eigenen Krach) gestresst gewesen.
Und heute war weder ein Schultag noch waren aufregende Ereignisse noch hatten wir Besuch oder gingen irgendwo gemeinsam hin - es war ein ganz ruhiger Tag, und hat dennoch schon solche Unterschiede offenbart. Wenn ich mir vorstelle, wie das in der Schule ohne Medikament laufen würde - seine tollen Leistungen gingen gnadenlos den Bach runter, weil er sich schon gar nicht erst soweit einmitten könnte, dass da irgendwas an Output von ihm käme...
Eindeutig, er war nicht bei sich heute, er fand seine Mitte nicht, und für all seine Lieblingsbeschäftigungen fehlte im die innere und äussere Ruhe. Es war aber doch wichtig, dass wir alle so durchgehalten haben, einfach um den Unterschied wieder zu sehen und zu spüren - und morgen, ja morgen - da wird Oliver lesen und Klavier spielen und Origami falten und auch mal ein lautes Lachen der Geschwister aushalten können - und meine heutige abendliche Besprechung mit ihm als Resümee des Tages, die werde ich dann wiederholen, und dann bringt sie auch etwas....
Nein, Medikamente bei ADS sind bestimmt nicht ein Allheilmittel und zwingend immer die beste Lösung, und es gibt viele gute Dinge, die mithelfen können - aber Oliver ermöglichen sie eindeutig, sich selber zu sein, so wie er sich wohl fühlt und wie er sich selber mag. Denn weder haben wir ihn heute anders erzogen noch ernährt noch waren wir andere Menschen - es ist nur dieser eine Schalter in seinem Kopf nicht umgeklappt worden....
Jac 25.02.2006, 22.47
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Kommentare zu diesem Beitrag
WOW!!!!
hallole Du, Jac ich danke Dir!! Diesen Text unten links hatte ich noch nicht gesehen und in m...
vom 26.02.2006, 16.08
@ jac: darum habe ich mühe damit, wenn generell auf die chemie "geschumpfen" wird! es gibt fälle, wo genau diese hilfe richtig und vor allem auch wichtig ist! :o) liebe grüsse nochmals - andrea
vom 26.02.2006, 11.39
Was ist es doch gut, dass es heute die Diagnostik gibt, festzustellen was fehlt. Und die Medikamente, zu helfen.
Ich wünsche euch allen einen ruhigen, friedlichen Sonntag, den ihr genießen könnt.
Liebe Grüße, Claudia
vom 26.02.2006, 10.29
Oh ja - und nach wie vor bin ich froh, haben wir uns damals aus der uns zugewiesenen Schuld (falsche Erziehung usw.) befreit und es nicht auf sich beruhen lassen, bis die Diagnosen wirklich standen...
Wir werden heute bestimmt einen runden Sonntag haben - allen voran Oliver :-)
Ich wünsche Euch auch einen wunderbaren Sonntag!
salut jac - ich bin absolut kein pillen-pülverchen-salben-fan... ABER es gibt kein schwarz-weiss und man kann/muss in gewissen momenten abwägen, das pro und contra genau unter die lupe nehmen und wenn die waagschale klar für die "chemie" ausschlägt, dann soll es so sein! liebe grüsse - andrea
vom 26.02.2006, 09.39
Ich bin auch kein Pillen-Pülverchen-Salben-Fan und weit davon entfernt, bei jedem Wehwechen irgendwas zu geben, weil oftmals Zeit und Mami-Trösterchen ebenso gut helfen. Aber dies ist so ein Fall, wo das eben nicht reicht - und dann ist es gut, gibt es solche Medikamente. Sonst wäre Oliver, das hochbegabte Kind nämlich längst zum Klassenkaspar, Versager und Sonderschüler geworden.....



Liebe Jac,
klingt anstrengend. Ich sehne im Moment nicht die Wochenenden und ide Ferien (medikamentenfrei) herbei, sondern die stinknormalen Schultage. Und wenn Mika endlich mal die 20 Kilo-Hürde geknackt hat, werde ich unserer Familie zuliebe diese Auslasstage ersatzlos auslassen ;-)
Ich grüße dich ganz lieb
Steffi
vom 28.02.2006, 12.51