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Ausgewählter Beitrag
Das Glück eines älteren Hauses
Manche Häuser, die sieht man, und dann mag man sie einfach.
So war das bei mir hier, als wir vor vielen Jahren dieses Haus als Miethaus angeschaut haben, es war fast wie Liebe auf den ersten Blick. Das Haus strahlte für mich Charme und Geschichte aus, auch wenn es fürchterlich eingerichtet und viel zu dunkel gestrichen war. Ausserdem war es, weil es älter und unrenoviert war, für einen vernünftigen Mietpreis zu haben und wir wollten nur noch raus aus der Eigentumswohnung im 17. Stock...
So übernahmen wir das Haus mit allen Macken, richteten uns darin ein und lebten. Mit olivgrün gestrichenem Flur, pipigelben Badfliesen, dreckig-beigen Wänden - und trotzdem fühlten wir uns wohl hier, weil dieses Haus etwas hatte, was all die Neubauten nicht mehr haben : durchdachte Räume, Stil, Charme und das Potential, sich in ein Bijoux zu verwandeln. Nach zwei Jahren und einem halben Jahr zäher Verhandlung konnten wir es dem Eigentümer abkaufen, weil er von seinen utopischen Vorstellungen über den Preis abgekommen war, nachdem der unabhängige Schätzer den Preis um 40% tiefer angab.
Da gehörte es also und - und als erstes betonierten wir im Vorgarten einen Rosenbogen ein - man muss ja irgendwo anfangen ;-)
Dann kam das Badezimmer, welches sich in einem relativ desolaten Zustand befand, der Riss in der WC-Schüssel verströmte das Duft-Ambiente einer Bahnhoftoilette und beim Vollbad war das Körperpeeling dank der aufgerauhten Wanne gleich inbegriffen. Es wurde geplant und gezeichnet, die Handwerker bestellt - und dann, dann fing es an....
Das geplante Heiznetz war längst unter den Fliesen verlegt, als der Elektriker dann feststellte, dass man an dieses Stromnetz das nicht anschliessen kann, weil da der Null-Leiter (?) fehlte - so musste mal schnell noch zusätzlich das ganze Obergeschoss neu verkabelt werden. Und da machte es dann auch Sinn, den Rest des Hauses auch zu machen, um in Sachen Sicherheit kein Risiko einzugehen.
Als wir die Wände neu streichen liessen, stellten wir fest, dass da 3 Schichten Tapeten drauf sind, welche die Wände undurchlässig machten, und deswegen runter mussten.
Als wir die neuen Fenster einbauten, sah man erst richtig, in welch schlechtem Zustand manche Fensterbretter waren.
Als wir die Haustüren richten/ ersetzen liessen, musste eine neue Schliessanlage her.
Als wir das neue Parkett im Wohnzimmer bekamen, musste die Schiebetüre ausgebaut und um etwa einen Zentimeter gekürzt werden.
Als wir das Garagentor ersetzen liessen, brauchten wir nachher eine neue Kellertüre mit dem Anschlag auf der anderen Seite, damit sich die Türe wieder richtig öffnen liess.
Irgendwas kommt immer zusätzlich.
Irgendwas ist immer.
Mir graut vor dem Moment, wo wir die Küche anpacken, auch wenn ich mich theoretisch darauf freue.
Und über die rutschende Steinmauer im Garten mag ich schon gar nicht erst nachdenken.Aber :
es ist mit jedem Tag mehr "unser Haus" geworden, mit jedem Zwischenfall, mit jeder Reparatur, mit jeder Pflanze im Garten und nun atmet es unsere Geschichte, wenn man es betritt.
Und gegen vorübergehende Anfälle von "die Kinderzimmer sind zu klein" oder "ein Zimmer für mich" oder ähnliches hilft in der Regel ein Blick in die Immobilienanzeigen.
Ich liebe es.
Jac 30.05.2006, 22.50
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frei nach mir :o) - ich liebe das leben und ich lebe die liebe... bei dir/euch spürt man, dass ihr zu hause seid. angekommen und angenommen. schön!!! liebe grüsse, andrea
vom 31.05.2006, 18.59