Stapelweise
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Mein Leben in 6 Worten:

Klein beigeben ist was für andere.

 

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Manchmal schweigt man, weil man nichts zu sagen hat.
Manchmal schweigt man, weil man zuviel zu sagen hat.


 

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich manche Dinge von mir wegschieben, nicht darüber nachdenken und mich durch Ablenkungsmanöver davon abhalten, mich damit auseinanderzusetzen. Das funktioniert im normalen Alltag ausserordentlich gut, in Belastungssituationen weniger und in einer Krise plötzlich nicht mehr.

Da wird dann eine kleinere Krise plötzlich zu einer grossen persönlichen Krise, weil ich die Dinge nicht mehr wegschieben kann, über die ich doch gar nicht nachdenken möchte. Plötzlich dreht sich das Gedankenkarussell wie verrückt, und alles, was ich über Monate hinweg fein säuberlich aufgestapelt und angehäuft habe, kommt ins Rutschen und platscht mir vor die Füsse - unsortiert und durcheinander und füllt meinen Kopf mit so vielen Denkfetzen, Bruckstücken und Gedankengängen, dass ich nicht mehr in der Lage bin, auch nur einen davon zu formulieren. Ziehe ich an einem Gedanken, dann kommen tausend andere hinterher und verunmöglichen es, irgendetwas davon in Worte zu fassen.

Dieser Punkt war am letzten Wochenende erreicht. Nach einer Woche mit viel Schlaf, wenig Internet und viel Nachdenk-Arbeit habe ich jetzt wenigstens grob meine Gedanken wieder auf Haufen aussortiert - und nun liegt da ein neuer Stapel, den ich bisher noch nicht gesehen habe, und schreit mich an "Tu was mit mir!".

In diesem Stapel finden sich vor allem : Einsamkeit.
Etwas, was ich bisher nicht aussprechen wollte und konnte, weil ich Angst davor hatte, dass dann mein Lebenskonstrukt ins Rutschen kommt, mein Selbstwertgefühl sich mal wieder dem Nullpunkt nähert und mich dazu bringt, Dinge zu tun, um irgendwie irgendwo dabei zu sein, dazuzugehören.

Nicht erst seit gestern ist mir klar, dass manche Bekanntschaften Einbahngeleise sind, dass für andere da zu sein nicht gleichbedeutend ist damit, auch etwas zurückzubekommen, dass viele Aussagen, die ich ernst genommen habe, weil ich solche Aussagen auch selber nur im Ernst ausspreche, nicht viel mehr als heisse Luft sind...
Aber das zu wissen mit dem Kopf - und zu verstehen mit dem Herzen, das ist ein weiter Schritt, und den habe ich nun getan. Ich habe schmerzlich festgestellt, dass es mir in der bewussten Einsamkeit doch immer noch besser geht als in dieser vergeblichen Hoffnung, etwas zurückzubekommen. Im sehnlichen Wunsch, dass mal jemand einfach so nachfragt, wie es mir denn so geht.
Ich habe längst gelehrt, meine Probleme selber anzupacken, mich durchzukämpfen, mich nur auf mich selber zu verlassen und mir möglichst keine Hoffnung zu machen - aber die letzten Jahre haben mich dazu verleitet, mir mehr zu erwarten, mir mehr zu erhoffen - und mir selber vorzumachen, dass sich Geben und Nehmen die Waage halten.

Mein Leben lässt mir wenig Raum für Kontakte, gleichzeitig bin ich weder der Party-Typ noch fällt es mir leicht, ein oberflächliches Geplänkel anzufangen oder auf andere Menschen zuzugehen - und nun werde ich einfach danach leben.
Lieber freiwillig allein als unfreiwillig einsam.

Ich werde es lernen.
Irgendwann.
Vielleicht.

Aber es werden bestimmt noch viele traurige Momente damit einhergehen....
Doch nun kann ich hier in Worte fassen, es mir selber unwiderruflich damit eingestehen, dass ich es öffentlich formuliere und mir so auch den Rückweg verbauen, mich selber wieder in unerfüllbare Hoffnungen zu flüchten....



 

Jac 15.01.2005, 19.07| (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Stapeleien