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Mein Leben in 6 Worten:

Klein beigeben ist was für andere.

 

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An eine wunderbare Frau

Liebes Grosi,


als kleines Kind habe ich die meiste meiner Zeit bei Dir verbracht, Du hast mich wie ein eigenes Kind aufgenommen und für mich gesorgt, weil das meiner Mutter so nicht möglich war.

Du hast mir nicht nur beigebracht, zu laufen, zu reden, zu singen, Du hast auch durch Deine Neugier aufs Leben, durch Deinen Frohmut meine Lebenseinstellungen mehr geprägt, als mir das lange bewusst war. Das, was andere unter "Mutters Küche" verstehen, ist für mich "Grosis Küche" - genauso muss das eben schmecken. Du hast mich genommen, wie ich bin, hast mich geliebt, wie ich bin und mir beigebracht, den Mut nicht zu verlieren, auch wenn's mal schwierig wird. Mein Faible für Kreuzworträtsel verdanke ich wohl ebenso Dir wie das Wohlgefühl, wenn irgendwo eine tickende Uhr zu hören ist und Erlenbach wird immer Teil meiner Kindheit sein.

Vorgestern war Deine Beerdigung. Bei der Trauerfeier habe ich Dinge über Dich und Dein Leben erfahren, die mir so nicht bekannt waren, Dinge, bei denen sich für mich ein Kreis geschlossen hat.
Du warst tief gläubig, wurdest wegen Deiner Heirat nicht nur von der katholischen Kirche, sondern auch lange von Deiner Familie geächtet und hast doch nie den Glauben verloren und nie aufgegeben. Du hattest ein besonderes Verhältnis zur Maria - und unsere Tochter trägt den Zweitnamen Maria. Die Trauerrede drehte sich rund um Deinen Lieblingspsalm - genau, einen von David, wie mein David, den Du jetzt wiedersiehst.
Deine Kinder und anderen Enkel haben diesen Zugang zum Glauben nicht, aber ich schon - und mir wurde vorgestern richtig bewusst, welches wunderbare Vermächtnis Du mir gemacht hast - glauben zu können, einfach von tief innen heraus, ist ein Geschenk fürs Leben. Erst jetzt im Rückblick wird mir klar, dass Dein Frohmut, Deine Lebensfreude, Deine Warmherzigkeit die Symptome Deiner Geborgenheit in Gott waren - und ich bin Dir so dankbar, dass ich sie sehen durfte, dass sie mich prägten und dass ich heute verstehen kann.

92 Jahre, ein langes, reiches Leben hattest Du und ich gönne es Dir von Herzen, dass Du jetzt wieder bei Deinem Mann bist. Ich bin nicht traurig, denn ich spüre Dich in jedem Moment bei mir, ich bin voller Zuversicht, dass Du jetzt an einem Ort bist, wo Dir all das Gute, das Du getan hast, zur Ehre gereicht.

Besuchen wollte ich Dich, in unseren Österreichferien haben Daniel und ich davon geredet, dass er noch in den Schulferien mal die Kinder übernimmt, damit ich zu Dir fahren kann, ich habe mich Dir so nah gefühlt - es muss zu dem Zeitpunkt gewesen sein, wo Du Deinen Körper hinter Dir gelassen hast....
Jetzt habe ich Dich eben nicht mehr noch einmal gesehen, aber: ich sehe Dich vor mir, lächelnd, klein und quirlig und ich fühle mich sicher und geborgen.

Wir werden uns wiedersehen, in der Ewigkeit.
Danke für alles!



Jac 04.08.2010, 21.33| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sinniertes

Ferienzeit, Ausnahmezeit

In den Ferien, da hat man Zeit, viel Zeit.

Für viele Einladungen mit aufwendigen Menüs, für Einladungen, wo man eben mal zwei Geburtstagskuchen mitbringt, für familiäre Hausgäste, die einen erfreuen und den ganzen Tag vollquasseln, für dies und das und jenes und eigentlich auch für Internetaktivitäten, wenn da nicht diese drei lebhaften Objekte mit unterschiedlichen Herstellungsdaten wären, die dafür schauen, dass ich am nächsten Montag ganz besonders tief seufzen kann, wenn die Schule wieder anfängt, weil ich dann durchaus auch mal einen Moment oder zwei ganz für mich habe, wo mich keiner etwas fragt, keiner etwas braucht, keiner streitet.

Mein Blog sieht also wieder mal so aus wie auch schon, nur diesmal wollen tät ich, nur können tue ich nicht - nicht umgekehrt.

Besserung ist in Sicht, die letzten Tage laufen - und die kosten wir noch aus - laut, lebhaft und angefüllt. Erholen können wir uns im Alltag, nicht in den Ferien!


Jac 04.08.2010, 21.12| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Alltägliches