Stapelweise
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3


Mein Leben in 6 Worten:

Klein beigeben ist was für andere.

 

freihalterin bei twitter




Statistik
Einträge ges.: 1899
ø pro Tag: 0,3
Kommentare: 3871
ø pro Eintrag: 2
Online seit dem: 07.12.2003
in Tagen: 5703

Gold wert...


...sind sie, diese beiden unscheinbaren DVDs, denn darauf befinden sich die Kopien der beiden Videokamerabänder, die entstanden sind zwischen Ende Oktober '99 und Ende April '00.


Gefilmt wurden sie mit der damals eigens angeschafften Videokamera, natürlich noch nicht digital, das kam erst grad auf - und damit waren sie, obwohl Gold wert, vergänglich. Ein Bekannter mit dem nötigen technischen Equipment hat sie uns dann gesichert auf DVDs. Als wir sie bekamen, habe ich mal ganz kurz dreingeschaut, doch schnell aufgegeben, weil ich es einfach nicht ausgehalten habe, es war wie mit einem Messer in einer offenen Wunde herumgestochert.


Doch schon seit langem hat Benjamin immer wieder gewünscht, sich das mal ansehen zu dürfen, da er wusste, dass es diese Videobilder von David gibt. Immer wieder habe ich es aufgeschoben, denn ich hatte Angst vor dem Loch. Doch durch Andreas Eintrag heute und ein gelangweiltes Kind allein zuhause habe ich Mut gefasst, und unserem Jüngsten die Bilder von seinem Bruder gezeigt, den er nie kennengelernt hat, weil sich ihre physische Präsenz auf dieser Erde nicht überschnitten hat.

Und es war gut.
Die ersten Bilder kamen mich hart an, denn ich sah nur zu genau, welche Spuren die Chemo auf seinem Körper hinterlassen hatte, er war so dünn, so mager, und er kaute die ganze Zeit, ein damals typisches Zeichen für seinen schlechten Allgemeinzustand.
Doch je weiter wir kamen, desto mehr blühte er auf, desto weniger blieb von den Spuren sichtbar - und dann kamen die Bilder, wo er einfach wie ein ganz normales Baby wirkt - giggelnd, lachend, moppelig... Das Herz ging mir auf, so viele Töne und Gesten, die ich nicht mehr so genau wusste. Zwischendurch waren Oliver und Victoria zu sehen, damals schon ganz so, wie sie heute sind und doch noch so kleine Kinder. David und seine Teletubbies, seine geliebten, die er immer mit hatte, und für die er jedes Spielzeug fallen liess, um sie wieder richtig hinzusetzen, wenn einer der beiden umgekippt ist. Seine Angewohnheit, auf Stoff (am liebsten eine Mullwindel) herumzukauen, wenn er freudig aufgeregt war. Die aufgehende Sonne in seinem Gesicht, als er sich das erste Mal in seinem Leben aus eigener Kraft vom Fleck bewegen konnte (auf einem Rutschauto, aber anfangs nur rückwärts)...


So schön.
So warm.

Und so unbezahlbar wertvoll.
Es hat gedauert, aber heute haben mich diese Erinnerungen das erste Mal richtig glücklich gemacht.


Jac 07.11.2008, 21.45| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Sinniertes

Unbelehrbar...

...ist es :


- einen Morgenmuffel wie mich morgens anzumuffeln oder gar anzupampen, ist ausreichend, um mir den ganzen Tag zu verderben. Es reicht auch schon aus, dass andere frühmorgens herumpampen und motzen, der Effekt bleibt der gleiche - und mein Blog leer, weil soviel schlechte Laune nicht öffentlichkeitstauglich ist.


- mit dem Kopf immer durch die Wand zu wollen, kann bisweilen ein leichtes Hirnbrummen verursachen, das sich mit Gedankenchaos, Grübeleien und unerklärlichen Ausbrüchen äussert. Dabei wäre es doch meist so einfach, einfach die Türe zu nehmen. Ich arbeite dran - schon mein Leben lang *g*

- auch nach sovielen Jahren regelmässigem Tastaturchreiben das Wort "nicht" korrigieren zu müssen, weil da immer steht "nihct". Das muss irgendeine Synapsenfehlverbindung sein, über die bestimmt nicht nur ich verfüge, denn Google findet das Wort "nihct" immerhin 116'000 mal ;-)

- Hätte ich gewusst, wie schnell ein neuer Akku fürs Handy geliefert wird, hätte ich mich früher drum gekümmert, dann wäre ich nicht (schon wieder *sieheoben*) fluchend mit Ladekabel angebunden in einem dunklen Treppenhaus an einem Flughafen gestanden. Aber dann hätte ich jetzt auch kein neues Handy. ;-)


Jac 04.11.2008, 20.58| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Alltägliches

Familie...

...ist schon etwas Wunderbares.

Und das meine ich genauso, wie ich es schreibe.

Wir waren heute bei meiner Schwester und ihrer Familie, mein Patenkind hatte Geburtstag.
Meine Schwester und ich sind 5 Jahre auseinander, und als Kinder haben wir gestritten wie die Kesselflicker. Kein Anlass war zu nichtig, um nicht aufeinander los zu gehen, keine Laune zu gut, um den anderen zu plagen, und wir lebten in vollkommen verschiedenen Welten. Als ich meine ersten Liebesbriefchen schrieb, mein Tagebuch mein bester Freund war, wollte sie Barbie spielen und konnte nicht verstehen, warum ich darauf keinen Bock hatte, denn sie wollte mit Ken Hochzeit spielen und ich in meinen pubertärenTraumwelten mit XYZ (Name war wöchentlich austauschbar *g*).

Doch dann wurden wir erwachsen, wir bekamen beide Mann und Kinder, wir beide befassten uns mit der Wahl der richtigen Windel, der Gestaltung von Wohnzimmern, mit Ehekrisen und Schulproblemen - und nun zeigt sich, dass eine gemeinsame Kindheit, so sehr sie von Zoffereien geprägt sein mag, verbindend ist, Vertrauen schafft und eine gemeinsame Basis.

Bei meiner Schwester, da bin ich, wie ich bin - und es ist gut.
Meine Schwester ist mir nah genug, um mit mir rücksichtsvoll umzugehen - und auch nah genug, um mir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen (und die beiden Dinge schliessen sich nicht aus.)
Dass mein neues Outfit (gemäss meinem Blog-Eintrag weg von der Biederkeit) für meinen Mann ok war, das war abzusehen, denn der ist definitiv nicht objektiv und würde wahrscheinlich noch einen Kartoffelsack gut finden - aber die Feststellung meiner Schwester, dass sie's gut findet, dass ich mich frecher, weniger im "Mami-Stil" kleide, und dass meine Kilos dabei besser aussehen, das war mir objektiv genug, denn in Anbetracht unser gemeinsamen Vergangenheit weiss ich, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt.


Und wieder einmal mehr habe ich für mich festgestellt : Familie ist wichtig und durch nichts zu ersetzen. Natürlich, man kann sie sich nicht aussuchen, und nicht alles war und ist immer einfach und schön, doch schlussendlich, wenn Dich alle verlassen, wenn Dir nichts mehr bleibt - die Familie, die gehört zu Dir, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Manchmal muss man auch über den eigenen Schatten springen, muss Vergangenes abschliessen, muss Kompromisse eingehen - aber wenn man dafür jemanden hat, der immer zu einem hält, scheint mir das ein kleiner Preis.

Ich bin froh, habe ich diese Familie (neben meiner "Kernfamilie", wie das so hochgestochen heisst). Denn was immer auch geschieht, meine Schwester, Daniels Geschwister, meine Eltern - die sind immer noch da, wenn sich andere längst davon gemacht haben.

Danke, Leben.
Danke, meine Schwester, dass es Dich gibt.

Ich hoffe ganz fest, dass meine Kinder das später auch so sehen können, denn in Sachen streiten begehen sie zumindest die gleichen Pfade wie meine Schwester und ich - das lässt mich hoffen ;-)



Jac 02.11.2008, 21.16| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: